Mittwoch, 6. September 2017
Inklusion - Problem für Schüler oder einfach falsch durchdacht?
Ich würde gerne ein Statement zu Inklusion an Schulen abgeben. Diese Aussage ist aus Sicht einer Schülerin und ich möchte, das Sie diesen Kommentar durchlesen und mich verstehen.
Ich bin 17 Jahre alt und ich bin Deutsche. Ich habe diesen Satz mal wirken lassen, ganz für mich alleine und ich habe mir gesagt, was ist so besonders daran, das ich Deutsche bin? Naja, die Grammatik ist vielleicht schwieriger als in anderen Länder, aber ansonsten? Ich bin ein Mensch, egal, ob Deutscher oder nicht.
Doch dann hat mich noch eine Frage geplagt: Wieso sind wir Deutschen so für Inklusion? Ich habe noch keine wirkliche Antwort darauf gefunden, aber vielleicht verstehen Sie, wieso mich solche Gedanken umkreisen.
Als ich in die erste Klasse kam, war das Schulleben noch neu, mir hat alles Spaß gemacht, ich bin wahnsinnig gerne in die Schule gegangen und ich liebte meine Lehrerin so sehr. Sie brachte mir das bei, was meine Geschwister vor mir schon erlernen durften und ich war endlich bereit genauso wie meine Geschwister an den Tisch zu sitzen und mich wichtig mit meinen Hausaufgaben daneben zu setzen. Meine damalige Klasse war zur Hälfte voll mit Ausländern, für mich kein Problem, denn für mich sind auch heute noch alle Menschen gleich. Es hat mich erst dann interessiert, als ich in der zweiten Klasse eine neue Lehrerin bekam, da meine Erstklasslehrerin die Frechheit der Ausländer nicht mehr ausgehalten hatte. Ich wurde ein bisschen sauer, denn seit dem hatte ich mein kleines erstes Vorbild verloren. Und ich konnte nichts dagegen machen. Meine heile Welt zerstört und dann fingen die Probleme an. Ich ging nicht mehr gerne in die Schule, da sich meine ausländischen Mitschüler in den Vordergrund drängten und es für mich keine wirklich große Chance gab, dass ich gefördert werde, so wie ich es gebraucht hätte. Aber ich habe es zugelassen, denn sie waren doch auch nur Menschen in meinen Augen. Menschen, die mehr Hilfe beim Lesen und Rechnen gebraucht haben als ich. Als meine Noten immer schlechter wurden und ich die Lust an dem Unterricht verlor, nahmen mich meine Eltern von der Schule und ich schloss an einer anderen Grundschule mit deutlich weniger Ausländern meine vierte Klasse mit einem Durchschnitt von 1,33 ab. Ich merkte, wie ich wieder Lust hatte Neues zu lernen und wie ich es liebte Dinge zu erforschen, sogar Mathe lernt ich vor und ich war gut, sehr gut. Dies hat mich zeigen lassen, das Inklusion nicht immer für beide Seiten sprechen und das man sich als Deutsche durchboxen muss. Ich boxte immer und immer wieder. Ich ging auf ein Gymnasium und später dann auf eine Realschule, die ich auch heute noch besuche. Ich habe gelernt mich nicht einfach ausschalten und wegdrängen zu lassen. Dennoch sind alle Menschen gleich.
Als ich vor ein paar Tagen mit meiner Familie an dem Frühstückstisch saß, sprachen wir über meine Schwester, die dieses Jahr ihren Qualifizierenden Mittelschulabschluss bestanden hatte. Ich fragte sie, wohin denn die Abschlussfahrt ginge und sie erzählte mir, es ginge in die Toskana. Doch sie schaute nicht Glücklich aus, auf die Frage wieso? Beantwortete sie mir diese wie folgt: "Du kennst unsere Familie, wir können nicht in den Urlaub fahren und ich hatte mir, wie auch die ganze andere Klasse gewünscht einmal in meiner Schulzeit zu fliegen." Ich dachte mir, wieso? Ich meine es geht doch bloß um eine Abschlussfahrt, die kann man auch mit dem Bus zurück legen. Sie sah meinen verwirrten Blick und sagte zu mir: "Meine Schule, wie du weißt ist eine Inklusionsschule und wir Schüler leiden mehr denn je darunter. Menschen, die eine Behinderung haben, werden in den Vordergrund geschoben und auf diese müssen wir alle Rücksicht nehmen. Das machen wir alle gerne, denn auch sie sind nur normale Menschen mit einem "Handicap". Aber müssen wir "normalen" Menschen auf alles verzichten, nur weil diese Menschen es nicht können oder nicht dürfen?" Ich habe mir unser Gespräch sehr lange durch den Kopf gehen lassen und ich bin zu dem Entschluss gekommen, das Inklusion nicht gleich bedeuten muss, das alle anderen den kürzeren ziehen, sondern das Inklusion im eigentlichen Sinne bedeutet, diese Menschen mit zu nehmen und ihnen das Leben so normal wie möglich zu gestalten.
Ich bin die Fakten durchgegangen:
1. Meine Schwester (meine Schwestern) zahlen das doppelte an Kopiergeld, da Menschen mit Behinderung nicht viel schreiben wollen, da sie es in machen Fällen einfach nicht akzeptieren wollen und um Konflikte zu meiden wird alles gedruckt.
2. Während jede andere Schule/ Klasse coole Ausflüge an Wandertagen machen, geht meine Schwester mit ihrer Klasse in den Zoo, da es "behindertengerecht" ist und man die Menschen mit in die Gemeinschaft aufnehmen soll.
3. Meine Schwester muss das Theaterspielen, wie viel anderen Schüler auch, aufgeben, weil es keine Zeit dafür gibt, weil die Inklusion an erster Stelle steht.
4. Meine Schwester hatte nie das Glück in einem Flugzeug mit Ihrer Klasse zu sitzen, da es den Behinderten nicht gestattet ist.
Es gibt für jede Inklusion Lösungen, aber wenn andere darunter leiden, wo liegt dann die Toleranzgrenze?
Ich liebe meine Schwester sehr, aber sie hat eines nicht verdient und das ist, auf ihren einzigen Wunsch in ihrer Schullaufbahn zu verzichten, der ihr ermöglicht einmal in ihren jungen 15 Jahren in den Urlaub zu fliegen.
Ist das Gerecht? Wie soll man damit umgehen? Wenn man Inklusion als Erwachsender zustimmt, wieso beachtet man nicht auch die Stimme der Schüler? Ist es wirklich gut ein Deutscher zu sein?
Ich spiegel hier Inklusion von der anderen Seite, von der Seite der Schüler. Schüler werden nie aufstehen und etwas dagegen tun, denn wir sind alle gleich und jeder hat das Recht auf Schule und alles was dazu gehört.
Vielleicht ist dieser Kommentar krass und viele werden sich vielleicht denken, es ist doch bloß die Schulzeit und ich solle mich nicht so anstellen. Aber wir sind ALLE gleich und das vergessen manche Menschen.
Beachten Sie doch einfach mal die Sicht eines Schülers. Wissen Sie wirklich, wieso wir Deutschen Schüler auf Schüler mit ausländischen Eltern oder Schülern mit einer Behinderung schimpfen?
Ich bin gerade mal 17 Jahre alt, ich habe 11 Geschwister und ich war noch nie in einem wirklichen Urlaub. Ich beschwere mich nicht, aber ich spiegel die Sicht eines Schülers und ich hoffe Sie verstehen da!!!
Also steht am Ende doch immer nur die Frage: Ist Inklusion ein Problem für Schüler oder wird Inklusion einfach nur falsch geplant und organisiert?
Wie sehen Sie das?

Lieben Gruß
Eine deutsche Schülerin aus Bayern

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kann ich verstehen
allerdings kann ich nicht verstehen warum jemand der im Rollstuhl sitzt nicht fliegen kann. Bin selbst Rollstuhlfahrer und auch schon geflogen. Ich dachte auch, dass behinderte Kinder eine Begleitperson in der Schule haben. Diese könnte ja dann auch mit fliegen oder? Nur mal ein Gedanke dazu. Kommt natürlich auch auf die Art der Behinderung an. Trotzdem finde ich du solltest dir mal überlegen wie es für die behinderten Kinder ist wenn sie deinen Beitrag lesen. Nicht nur dass das Leben für ein behindertes Kind viel schwerer ist im Alltag... sollen sich die behinderten vielleicht jetzt noch vorwerfen lassen dass sie "Schuld" daran sind wenn Klassenausflüge an ihre Verhältnisse angepasst werden und sie somit den Ärger der Mitschüler deshalb abbekommen. Es ist wie du schon sagtest eine Frage der Planung.

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